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Tag 06 Wernigerode Staßfurt 85km

Veröffentlicht am 4. Juni 2021 um 20:11

Zwei Dinge belasten mich und ich muss trotz des Komfort des Bettes früh raus. Erstens sagt der Wetterbericht für Wernigerode den ganzen Tag Gewitter vorher. Zweitens habe ich seit gestern Probleme mit der Schaltung. Das Ding schaltet einfach so. Der nächste machbare Ort mit Übernachtungsmöglichkeiten ist Staßfurt, ca 80km. Zur Vorsicht buche ich Hotel UND Campingplatz. Zelt aufbauen bei Gewitter ist nicht meins, Aber einfach nur wieder Hotel buchen ist mir zu einfach. So muss ich mich erst mal um Problem 2 kümmern. Es gibt 3 Reparaturwerkstätten in Wernigerode. Eine davon hat bereits um 9 Uhr geöffnet. So fällt die Wahl auf Matti‘s Bike Service. Hingefahren und mit dem Bike in die Einkaufspassage. Ich wußte genau, hier bin ich richtig. Freudestrahlend wird mir die Tür geöffnet. Matti in Person nimmt mich in Empfang und erzählt mir, dass ich der zweite Radreisende mit einem Problem wäre. Um 9:15 schon? frage ich. Nein, in diesem Jahr. Ich denke nur, dass das Corona Gespenst nun endlich verschwinden soll. Mit klassischer Musik im Hintergrund wird am Fahrrad geschraubt.  Irgendwie ist die Kette defekt. Also neue ran und rumgeschraubt. Klasse, nach 30 Minuten bin ich wieder raus und die nervige Selbstschaltung ist Geschichte. Er empfiehlt mir noch den weiteren Weg aus der Stadt raus, der genau mit dem R1 übereinstimmt. So geht es langsam wieder Höhe gewinnend aus Wernigerode hinaus. Die Wege sind landschaftlich klasse und nahezu ohne Verkehr. Scheinbar jede Stadt hat einen Schotterweg oberhalb der letzten Bebauung mit tollen Ausblicken ins Tal. Problem Nummer zwei sitzt mir dauernd im Nacken. Matti hat aber versprochen, dass der Harz viel abhält und das schlechte Wetter aus dem Westen kommt. Darauf erwiderte ich, das bei uns das schlechte Wetter aus Holland kommt. So hat jeder seine Definition des Bösen. Westwind bedeutet aber Rückenwind... an einem Gefälle kommt mir doch glatt ein ähnlich beladender Radreisender entgegen. Verdutzt halten wir beide an und kommen ins Gespräch. Dies und das und der Berliner ist wo geboren? In Ahaus Alstätte. Nun ja, die Münsterländer scheint es in die Welt zu verschlagen Radfahrer Tipps werden ausgetauscht. Er rät mir, meine Luftpumpe nicht außen am Rahmen zu befestigen, sondern im Gepäck zu verstecken. Ihm ist auf einer seiner vielen Reisen in Südostasien auf dem Pamir Highway einmal seine gestohlen worden. Krasse Leute gibt es... Ich verlasse den Harz und die scheinbar unendlichen Felder sind nun Programm anstatt Harzduft. Das Gewitter bleibt immer in anständigen aber bedrohlichen Abstand. Nur Donner sind unüberhörbar zwischen den Feldern. Es kommt eine nagelneu eingerichtete in einen Radweg umgewandelte Eisenbahnstrecke. Hier verlasse ich den R1 um Meter vor dem Gewitter zu machen. Das klappt in der Tat. Irgendwann fühle ich mich sicher und storniere das Hotel. Mensch, ist der Graf ein Glückspilz denke ich und komme an der Endstation am Löderburger See an. Kaum zu glauben, dass hier noch was ist. Aber was hier ist, überzeugt auf jeglicher Linie. Nette Begrüßung, eigentlich gar kein Zelt Camping, sondern nur für Wohnwagen. Aber ich darf mein Zelt direkt an der Rezeption aufstellen. Ich springe sofort in den See, was bei den 28 Grad heute über Tag alles übertrifft. Wieder ein Tag, der hätte nicht besser sein können. Und : gestern Abend gab es doch noch einen Schnaps in der alten Brennerei zum Abschluß.  


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