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Tag 07 Staßfurt Dessau 83km

Veröffentlicht am 5. Juni 2021 um 21:05

Heute steht Dessau als Ziel auf dem Programm. Auf Bauhaus Architektur freu ich mich insbesondere. Aber von vorne an. Gut ausgeschlafen habe ich leider vergessen, gestern Brötchen auf dem Campingplatz  vorzubestellen. Aber fragen kostet ja nichts. Zwei Brötchen gehen wohl. Ich sehe aber davon ab, noch nach Wurst zu fragen, da es die Dame recht langwierig, schwerfällig und unter Fluchen geschafft hat, die 60 Cent aus Ihrer Kasse berechnet zu bekommen. Aber Dank meiner lieben Schwester habe ich seit Höxter noch ein paar Minisalamis, Bifi, dabei. Geht auch klasse. Kurz nach Abfahrt  merke ich, dass man sich Berlin nähert. Ein älterer Mann überholt mich mit einem Fahrrad ohne E. Er dreht sich um und sagt „mehr jeht nicht, wa? Haste nen Zentner druff?“. Er hat gut Lachen und ich strample weiter hinter ihm her durch sehr schöne Kleingärten und auf tollen Wegen. Der Staßfurter an sich scheint Samstags Morgens sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Neun von zehn „Hallo“ werden nicht erwidert. Ich mache trotzdem weiter. In Staßfurt bekomme ich Ersatz für meine vor einigen Jahren in Florida gekauften Havaianas Schlappen. Die haben gestern schlapp gemacht. Dank KIK bin ich nun stolzer Besitzer von neuen Crocs für 3,99. Heute scheint Flußtag. Erst die Bode, dann die Saale, dann die Fuhne. (Manche kennt man ja). Ausnahmslos tolle Wege. Ab irgendwann auf dem Weg nach Köthen wird es meditativ.  Was bedeutet, dass das geometrische Element Bogen Mangelware wird, zugunsten von Geraden. Weiterhin meditativ bedeutet, dass die beiden im Münsterland gebräuchlichen Ritzelkombinationen ausreichend sind. In Köthen mache ich Mittagspause, gehe in die Kirche und zünde drei Kerzen für meine liebe Familie an. Weiter gehts schnurgerade. In dieser Stimmung fallen mir die vielen Wahlplakate auf. Die Linken werben mit schönen Frauen, die Plakate der CDU sind die mit den seriösen Männern gepflastert, bei der SPD eher die langweiligen. Dominierend sind jedoch die blauen Plakate mit feisten, runden Gesichtern. Die AFD scheint zudem gegen alles zu sein. Grüne werben nur mit Blumen und die FDP mit Comic Figuren der Kandidaten. Ob das wohl funktioniert? Allein ein Plakat einer Partei, die quasi nur in einem Dorf wirbt, regt mich dann doch auf. Darum habe ich diese Zeilen hier aufgenommen. Der Werbespruch mit dem Konterfeit von Luther direkt vor einer Kirche im Lutherland Sachsen Anhalt : „Ich hätte diese Partei gewählt, ich hätte nicht anders gekonnt“. Ich setze einfach mal die These in die Welt, dass ein Mann, der für Millionen von Toten verantwortlich ist, diese Partei gewählt hätte. Ich dachte, die wären verboten. Nu ja, genug der Politik. Die Meditiaton wird unerwartet in einem Dorf unterbrochen.  Das Dorf Reppichau hat ein Künstler komplett umgestaltet und den sogenannten Sachsenspiegel auf nahezu allen Häusern und in Kunstwerken verewigt. Sonst wäre hier wohl gar nichts los. Ich finde es toll. Ein Einheimischer im Biergarten mit einem dunklen Getränk vor sich ist es wohl total egal, nachdem ich ihm meine Begeisterung offenbare. Dessau ist fast erreicht. Ich mache halt an einer Schafswiese. Es ist phänomenal welche Geräusche es macht, wenn hundert Schafe alle gemeinsam Gras fressen. Tolles Leben! Ich habe heute zum Glück wieder eine feste Unterkunft. Gewitter sind im Anflug. Nach der Alten Brennerei in Wernigerode darf ich heute an der Brauereistraße Straße nächtigen. Wenn das mal keine gute Wahl ist. Leider recht weit vor dem Stadtzentrum entfernt. Ich erreiche nach dem Abladen der Klamotten genau noch das Dessauer Kartoffelhaus in der City bevor das Gewitter anfängt. Jetzt sitze ich hier schön unter der Markise und genieße den Sommerregen, der hoffentlich vor der Rückfahrt aufhört. Und übrigens ist der BVB II aufgestiegen und der grandiose SCP (Preußen Münster) darf sich nächste Saison wieder mit Rot Weiss Essen rumschlagen. Das musste jetzt noch zum Abschluß sein. P.S. Der Sommerregen hörte nicht auf und ich bin naß bis auf die Unterhose in der Brauereistraße angekommen. Gut, dass es heute kein Zeltplatz ist. Morgen ist zum Glück kein Streß angesagt. Es sind nur 50km bis Wittenberg. Dort treffe ich mit dem Tourismusverband WelterbeRegion Anhalt Wittenberg und Dessau. Die sind auf meine Aktion aufmerksam geworden. 


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Kommentare

Manuela Rautenberg
Vor 4 Monate

Hallo Markus!
Da haben wir uns ja knapp verpasst. Ich bin mit einer Freundin am 29.05. von Lengerich in Richtung Detmold geradelt, um dann weiter die Römer-Lippe-Route bis Xanten zu entdecken. Von Gewitterwolken getrieben, sind wir gen Norden nach Winterswijk gestrampelt, haben zügig Kilometer gemacht und sind dann durch das Münsterland und die Baumberge gestern back at Home geradelt. Gut 700 km in einer Woche, reine Muskelkraft ohne Elektro, schöne Mädelsauszeit! Corona war kaum ein Thema, das Wetter ideal, der Rückenwind tat gut und die Räder waren unsere besten Begleiter. Schade, schon wieder vorbei. Immerhin freuten sich unsere Männer und Kids, dass endlich der Haushalt ab sofort wieder ordentlich läuft.
Dir viele schöne Eindrücke, den Waden genug Power, dem Popo eine gut sitzende Hose und keine weiteren Pannen, denn deine Startkarte für den New York Marathon wartet bei uns im Büro auf Dich.
Mach’s gut, viele Grüße
Manuela Rautenberg
Große-Coosmann Sportreisen