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Tag 14 Sulecin Miedzychod 88km

Veröffentlicht am 12. Juni 2021 um 20:50

Was 13 Tage funktioniert hat, scheint heute zu brechen. Der Blick nach draußen und der Wetterbericht sagen Regen voraus. 

Das Frühstück im Zimmer wird mit den gestern hastig gekauften Zutaten zubereitet. Die Konsistenz des Käses macht mich stutzig. Klar wird es nach einem Blick auf die Packung: vegan. Nicht mal ein eigenes Wort in polnischer Sprache ist es wert. Das wird nicht mehr mein Motto werden. 

Das Problem bei dieser Art der Reise ist, dass man Mangels Platz und Kühlung rein gar nichts über längere Zeit mitnehmen kann. So wird immer alles direkt verzehrt oder für den Tag eingepackt. So auch der milchfreie Käse auf meinem Brötchen mit Tomatenmark. Ich traue mich aber doch, den gekauften Senf mitzunehmen, ungeachtet der letzten Erfahrungen mit dem ausgelaufenen Ketchup.

Ich fahre noch zum gestrigen Ort des Geschehens zurück, da ich noch ein Foto machen will. Hier ist wieder ordentlich was los. Der Tankwagen mit Trinkwasser scheint wieder gefällt zu sein.

Erst zähle ich noch die Tropfen von oben und freue mich, dass ich mit 10 Fingern locker klarkomme. Trotz des dunklen Himmels und der Wettervorhersage fühle ich mich unbesiegbar und sehe mich schon schreiben : „wieder ein Tag ohne Regen“.

Die Fahrt geht mächtig flott voran dank guter Straßen und Rückenwind (auch Westwind ist ein Indiz für Regen, denn alles Böse kommt aus dem Westen). So geht E Bike fahren, denke ich : man tritt und kommt dank des Rückenwinds doppelt so schnell voran. Auch nicht schlecht. 

Ich fahre durch einige Dörfer, deren Aufbau sich immer gleicht. Einige Häuser (manche abbruchreif, andere schön rausgeputzt), ein neuer Spielplatz in der Mitte mit vielen Spielgeräten. Jeweils ein Schild mit der EU Flagge deutet darauf hin, dass hier Förderungen geflossen sind. Kinder hab ich da nie gesehen. Weiterhin eine viel zu große Kirche, deren Fassungsvermögen mit Sicherheit ein Vielfaches der Einwohner mit Gesangsbüchern beglücken kann. Und natürlich ein Sklep, ansonsten nicht viel los, muss ja auch nicht.  Ich glaube, jetzt bin ich hier angekommen in Polen. Alle, die ich sehe, schauen zufrieden.

Da es tiefgrau am Himmel ist, setzte ich mich in ein Mohnfeld am Straßenrand. Ein Foto mit meinem neongelben Shirt läßt bestimmt alle zuhause glauben, wie toll das Wetter ist.

Nun muss ich doch Schutz suchen. Vor den schwarzen Wolken und deren Inhalt, soll mich ein MiniSklep Spielgerät mit Dach auf einem Spielplatz retten. Irgendwo für sollen die EU Subventionen ja gut sein. Einige Zeit geht es gut, bis Wind aufkommt und es wie aus Kübeln gießt. Gut, dass ich hier Schutz gesucht habe, aber viel hilft es auch nicht. Nach 30 Minuten ist der Spuk vorbei und ich kann bei leichtem Nieselregen die Fahrt zum meinem Tagesziel, Miedzychod, fortsetzen. Das Eingeben der Städte in meinem Navi fordert alles von mir, wegen der ziemlich unbekannten Buchstabenfolgen. Auf meiner WetterApp steht Birnbaum als Städtenamen. So hieß es wohl mal und geht mir deutlich einfacher über die Lippen.

Dank Detlev Kaden und seinem sehr zu empfehlenden Reiseführer zum R1 nehme ich den Rat an und verlasse den R1 zugunsten einer 5 km weiteren Strecke. Hierdurch wird eine Sandstrecke umfahren. Die Erfahrungen mit dem märkischen Sand in Brandenburg vor einigen Tagen auf der Frankfurter Chaussee reichten. 

16 Uhr. Ankunft im Hotel Neptun. Schön gelegen am See, aber neu war das hier wohl in den Siebzigern. Aber wie man zu sagen pflegt, schön sauber.

Auf der genialen Terrasse mit tollem Blick auf den See und der nun zum ersten Mal hervor blickenden Sonne, bestelle ich als Vorspeise Fleischkrokette und dann Roulade mit schlesischen Knödeln. Alles fein übersetzt ins Deutsche in der Speisekarte. Ich bekomme nach kurzer Zeit in der Tat eine Fleischkrokette, die nichts mit dem niederländischen Pendant gleich hat. Da ist Fleisch drin. Gleichzeitig erhalte ich ein mit Käse überbackendes Schnitzel. Auch gut, ich beschwere mich nicht, denn es sieht gut aus mit Stiefmütterchen dekoriert. Leider erinnert mich der Käse an den Analogkäse vom Frühstück. Trotzdem gut, aber der Fleischkrokette fehlte der schleimige Inhalt der Hollandvariante. 

Für Morgen buche ich eine Unterkunft auf einem Bauernhof in einem 8-Bett Zimmer. Kostenpunkt 8€. Mal sehen, was ich morgen Abend schreibe. Mit diesem Cliffhänger soll es für heute reichen. Good Night.

 

 

 


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