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Tag 15 Miedzychod Trzcianka 99km

Veröffentlicht am 13. Juni 2021 um 19:04

„Das Leben ist nicht immer nur Pommes und Disko“ fällt mir zur heutigen Etappe ein. Frei nach dem Lied von Christian Steiffen. Schon über Nacht ist ein kräftiger Sturm aufgekommen, was ich unterbewußt im Schlaf schon aufgenommen habe. Und wirklich, es bläst beträchtlich - von vorne. 80km von 99km mit Gegenwind machen mir heute richtig zu schaffen. Und das erst mal 27km auf einer breiten unattraktiven Straße. Zum Glück ist heute Sonntag und nicht so viel los. LKW Fahrverbot gilt hier auch. Dennoch ist es eine Art Bundesstraße.

Die Polen sind ziemlich genaue Autofahrer. Mit so geringem Abstand zu mir zu überholen, kann nicht jeder. Besonders spannend ist das gekonnte Einfädeln nach dem Überholen bei Gegenverkehr. Hut ab, das ist Millimeterarbeit. Gut ist, dass ich einen Rückspiegel habe. Dann kann ich immer schon vorher Wetten abgeben, wie eng es werden wird.

Ich merke den russischen Einfluß hier. Bei der Anstrengung mit dem Wind habe ich nun auch noch Aufstoßen von den säuerlichen Leckereien vom Frühstück. Der eingelegte Brokkoli und die russischen Eier kommen mir fast hoch. Ich muss mich wohl noch mehr akklimatisieren.

Landschaftlich ist es gelinde gesagt öde. „Hier willste nicht Tod über dem Zaun hängen“ schießt es mir durch den Kopf. Das hat ein totes Wildschwein im Graben wohl nicht beherzigt, oder ihm wurde keine Wahl gelassen. 

Highlights Fehlanzeige, ich mache auch keine Fotos mehr von den Störchennestern mit Vögeln drin, die gibt es hier zu Hauf. 

Endlich darf ich in ruhigere Straßen abbiegen. Ich mache ein Video vom Wind. In der trittbegleitenden Trance, falle ich fast vom Fahrrad, als ein riesiges Tier von rechts auf mich zukommt. Ein Pony sprintet aus dem Gebüsch und wird unsanft kurz vor mir durch ein Seil gestoppt. Das war ein Schreck und es läuft mir kalt über den Rücken. 

Zum Schluß meint es der Wind nochmal extra gut mit mir. Ich mache alle 2km einen Stopp, es ist so anstrengend. Ich finde Gegenwind so unnötig. Wenn es ansteigt, weiß man zumindest, dass es zur Belohnung wieder runtergeht. Bis der Wind sich dreht, will ich nicht warten.

Ziemlich erschöpft komme ich am Agitouristiko in Trizcianka an. In meinem Reiseführer lese ich, dass aus dem ehemaligen Schönlanke 1946 die letzten Deutschen vertrieben wurden. Hier wartet meine Schlafkapsel im 8-Bett Zimmer. Ich werde sehr freundlich empfangen und schön sieht es hier auch aus. Mit wird der Schlafsaal gezeigt und ich kann mir eine von 5 Schlafkapseln aussuchen. Eine ist belegt und zwei sind geschlossen. Ich nehme Nummer 3 in der Ebene 2. Er zeigt mir die Gemeinschaftsküche. Hier ist es dunkel und verqualmt. Jemand ist schon am kochen. Der Koch schaut mich mit glasigen Augen an. Hat wohl schon ein paar Wodka auf. Schön zu hören, dass er nicht mein Zimmernachbar ist. Ich setze mich draußen in den Garten und warte was passiert. Es dauert nicht lange und  zwei Kollegen gesellen sich zu mir. Ein jüngerer, der wohl mein Zimmernachbar ist und ein Zweizahniger. Leider ist wenig mit Konversation, nur „travaille“ und Lewandowski sind verständlich. Ich glaube, die machen was mit Pferden, oder so. Das man hier sogar französisch spricht, finde ich unerwartet. Irgendwie kriege ich’s hin, den Grund meines Aufenthaltes und das Ziel zu kommunizieren. Ich glaube, sowas mit dem Fahrrad ist nicht deren Ding. 

Ich entscheide die Küche zu meiden und koche hier draußen auf meinem Gasgrill Nudeln. Die Sonne ist da und der Wind hat sein Gutes gehabt und die Wolken vertrieben. Frei für schönes warmes Wetter die nächsten Tage.

Und ich denke wieder frei nach Christian Steiffen. „Das Leben ist nicht immer nur Pommes und Disko, manchmal ist es, glaube mir, einfach nur eine Flasche Bier“. Die brauche ich jetzt.

Hier zu Christian Steiffen, falls es jemand nicht kennen sollte :

https://youtu.be/NQJCFtzYcQw

Für morgen habe ich mir wieder ein toll aussehendes Hotel mit Einzelzimmer gebucht. 

 


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