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Tag 34 Litovel Brno 91km

Veröffentlicht am 2. Juli 2021 um 21:10

Heute muss ich wilde Sau spielen. Der nächste Stopp soll Brünn werden. Ich muss entscheiden. Entweder schön entlang des Eurovelo 9 mit 120km und 1.800 Höhenmetern oder was das Navi als optimierte Steecke ausspuckt : 89km mit 1.300 Höhenmetern. Ich wähle zweite Variante, denn der Radweg ist dann doch zu anspruchsvoll. Aber auch die verbleibenden Höhenmeter flößen mir Respekt ein. Aber los gehts.

Gar nicht so schlecht die Route. Natürlich immer hoch, aber das ist klar. Irgendwann in einem Dorf geht es stark hoch und dann in einen Wald. Ich werde begrüßt von einem rot umrahmten Schild : „Pozor Vycvik ! Zakaz Vstuptu“. Nur das Pozor sagt mir was : "Achtung". Nun ja, der Weg ist zwar nicht befestig, aber fahrbar. Wovor sollte hier gewarnt werden? Vielleicht Zecken, oder Wildschweine, oder was auch immer. Der Weg wird immer schmaler und verwachsener. Es geht immer tiefer in den Wald. Alle paar Meter stehen diese Schilder. Für wen frage ich mich, hier er schon lange niemand mehr gefahren. Der Weg ist zerfurcht und ich denke an die Wildschweine. So wild werden die wohl nicht sein, hoffe ich.

Irgendwann soll ich links abbiegen. Aber es ist kein Weg da. Auch nicht nach mehrmaligem Zurückfahren. Ok, Planänderung. Ich schaue mir mein Handy mit der Navi App an und es gibt andere Wege, die zwar länger sind aber auch laut Karte dann doch wieder auf den korrekten Weg führen. Problematisch könnte ein eingezeichneter Fluss werden. Ich fahre weiter und ziehe meine Socken hoch, da das Gras auf dem Weg bereits 30 cm hoch ist. Zum Schutz vor Zecken. Pozor! 

Auf Karten gibt es eigentlich nur drei möglicherweise unüberwindbare Hindernisse : Autobahnen, Eisenbahnen und Gewässer. Eins davon habe ich bald vor mir. Es geht runter, so stark, dass ich absteigen muss. Ich laufe nur noch im Gras. Ein Weg ist kaum noch auszumachen. Jetzt umkehren würde bestimmt 20km und 400 Höhenmeter mehr bedeuten. Nicht gut. Laut Karte kommt nun der Fluss und da steht zum Glück eine Holzbrücke. Ohne wirklichen Weg davor und danach. Nicht so einfach das Fahrrad mit Gepäck da noch zu bekommen aber ich schaffe es. 

Ohne Weg geht es weiter. Nun wieder steil hoch und mir bleibt nichts anderes übrig als zu schieben. Was macht man eigentlich, wenn jetzt plötzlich ein Wildschwein hier erscheinen würde? Es wäre bestimmt nicht erfreut über das Eindringen in sein Revier. Irgendwann komme ich dann in die Nähe des auf meiner Karte ausgezeichneten Eutovelo 9. Ein umgefallener Baum muss noch bewältigt werden und ich habe es geschafft. Welch ein Geackere und Triumph! 

Die Höhenmeter mit dem Gepäck sind echt keine Pappenstiel. Aber schön ist es hier und um 18 Uhr schaue ich auf mein Navi und es bleiben 90 Meter hoch und 300 runter. Ich schaffe es. 9 Stunden im Sattel und ich habe mal kalkuliert, dass jeweils 100 Höhenmeter die Tourdauer laut Navi um 15 Minuten verlängern. Gut zu wissen, wenn man pünktlich ankommen will. 

In Brünn werde ich mit einem Livekonzert mit Chor und Orchester empfangen. Kurz höre ich mir Carmina Burana an. 

Im Hotel ist wieder nichts los. Die Dame an der Rezeption erzählt mir, dass von den 400 Betten grad mal 30 belegt sind. Es ist wohl doch noch nicht wieder alles normal.

Meine Übersetzungsapp zum Spruch auf dem Schild spuckt : "Achtung Training! Verbotene Eingabe" aus. Was auch immer dieses Training gewesen sein mag. Und eingegeben habe ich auch nichts. Wieder mal Glück gehabt. 

 


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