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Tag 35 Brünn 0km

Veröffentlicht am 3. Juli 2021 um 21:16

Brünn / Brno, wie auch immer. Es sieht hier mehr nach Brünn aus, sehr österreichisch. Könnte auch Salzburg oder Graz sein. Aber Österreich ist ja nicht mehr weit.

Heute muss ich ein mega Sightseeing Programm abspulen. Ich habe mir die BRNO Card gekauft. Für 290 Kronen. Dafür werden viele Ermäßigungen und freier Transport im ÖPNV versprochen. Die Karte wurde mir auf der Tourismus Seite angepriesen, da man die Villa Tugendhat besuchen könne, ohne das Ticktet vorher zu buchen. Und das sollte man mindestens 4-5 Monate vorher machen! Ok, das schaffe ich nicht mehr. Das Ticket wird zwar nicht garantiert, aber zumindest der Zugang zum Garten. So bin ich nun stolzer Besitzer des erwähnten Passes. Wobei es ganz cool war, man konnte Online buchen und das Ticket auf seine Kreditkarte übertragen. Die Kreditkarte wird dann als Eintrittskarte akzeptiert. Das ist es klasse, wenn man keinen Drucker hat und auch nicht irgendwas irgendwo abholen möchte.

Aber der Druck bleibt, die 290 Kronen wieder einzuspielen. Zunächst geht es in einen unterirdischen Wasserspeicher, der bis 1997 wirklich als Reservoir gedient hat. Wo früher Trinkwasser aus 1,7 km Entfernung in die unterirdischen Katakomben gepumpt wurde, kann man heute fast trockenen Fußes laufen. Tolle Atmosphäre, leider die ganze Tour auf Tschechisch. Als der Tourguide merkt, dass ich nicht auf die Sicherheitshinweise reagiere, spricht er mit mir Englisch, um mich zumindest vor schlimmsten Gefahren (ausrutschen) zu bewahren. Der Rest der Erzählungen bleibt mir aber leider ohne sprachlichen Zugang. Hurz! Trotzdem lohnt sich die Besichtigung, obwohl es hier gar keine Ermäßigung auf der BRNO Card gibt. Also bleibt ein Minus von 290 Kronen. 

Nun hoch auf die über der Stadt thronenden Burg Spielberg. Ein Muss. Rein in die Burg will ich nicht, da hab ich noch ein Trauma übrig behalten. Also außen rum und dann in die Kasematten. Hier gibt es 20% auf BRNO Card Besitzer. Das macht 24 Kronen, das Minus reduziert sich auf 266 Kronen. Ich bezahle trotzdem 96 Kronen. Dafür gibt es Kerker, Folterinstrumente und die Geschichte dazu. Besonders schön finde ich eine ausgestellte Ansichtskarte aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Da wird mit einer Abbildung einer Folterpuppe geworben„…in den fürchterlichen unterirdischen Kasematten..“ Grusel pur. 

Jetzt geht es runter in die Stadt. Im Rathaus kann man den Turm besteigen. Ich spare 70 von 70 Kronen. Nach einigen Stufen (ich merke die Etappe von gestern noch) steht man in schwindelerregender Höhe über Brünn. Nicht sonderlich gesichert, aber ein guter Ausblick auf die Altstadt. 

Weil ich grad da bin, gehe ich rauf zur Kathedrale. Kein Eintritt, keine Ersparnis. Aber drinnen ist gerade eine Hochzeit in der Schlussphase. Schöne Orgelmusik beim Auszug und viele Männer gut gekleidet mit Hosenträgern. Als das Spektakel vorbei ist, zünde ich wieder drei Kerzen an. Diesmal auf einem Schiff drapiert. 

In der City fülle ich meinen Vorrat an Instant Kaffee auf (wichtigstes Lebensmittel). Neben dem Laden ist ein DM. In der Hoffnung auf REI in der Tube, da mein Vorrat an Waschmittel aufgebraucht ist. Und der Vorrat an sauberen Unterhosen auch. Ich gehe raus aus dem Laden mit einem 1KG Pack Waschmittel der Hausmarke. Nix REI. So laufe ich den Rest des Tages mit Waschmittel und Instantkaffee als Ballast rum. Der 1KG Beutel passt leider nicht in die Tasche und muss außen getragen werden.

Nun gehts wieder in die Unterwelt. Ins Beinhaus der St. Jakobus Kirche. -140 Kronen! Erst vor 20 Jahren entdeckt, lagern hier Gebeine von geschätzten 50.000 Menschen. Alles fein säuberlich aufgestapelt. Jetzt wirklich eine gruselige Szenerie im Halbdunkeln zwischen all den Knochen und Schädeln gepaart mit eigens dafür komponierter klassischer Musik. Sehr eindrucksvoll und sicher nichts für Kinder. 

In der darüber stehenden Kirche kann man den Turm für -90 Kronen besteigen. Mache ich natürlich. Ein ziemlich verrückter Guide erzählt einiges witziges auf Englisch. Oben angelangt an der Glocke gibt es eine Kostprobe des Klangs. Ich frage mich was Brünn denkt, wenn um 14:49 die Glocke einmal schlägt. Es ist auf jeden Fall mächtig laut. Weiterhin gibt es jede Menge Geschichten. Sehr lohnenswert dank des etwas durchgeknatterten Führers. Beim Runtergehen fällt mir das Waschmittel auf den Boden. Ein Wiener in der Gruppe macht nicht darauf aufmerksam, dass der Beutel Schaden genommen hat und das Waschpulver in der Gegend rumfliegt. Er ist so nett und gibt mir eine Tüte aus seinem Bestand. 

Nun ist der eigentliche Grund für die Rabattschlacht dran. Die Bauhaus Villa Tugendhat. Die liegt etwas abseits, so kann ich zweimal 35 Kronen für de Straßenbahn sparen. Dort angekommen kann man seine Ankunft über eine Säule mit Mikro und Lautsprecher ankündigen. Freundlich wird mit mitgeteilt „sold out“. Ich kann zwar nicht rein, aber in den Garten komme ich und kann das Gebäude von außen besichtigen. Ich liebe ja Bauhaus und den Minimalismus. So bin ich dennoch zufrieden. 

Meine Kraft für touristische Hightlight neigt sich dem Ende. Es ist auch mittlerweile 17 Uhr. Ich mache Kassensturz. Ich habe es geschafft und im Summe 154 Kronen gespart. (Mit vier multipliziert und durch 100 sind das 6€!). Die müssen jetzt erst mal ausgegeben werden. 

Es bleibt ein spannender Tag mit vielen Einrücken in einer tollen Stadt übrig. Und das noch mit 6€ plus :-)

Nachtrag : eigentlich war ich schon am schlafen, da werde ich durch lautes Geböller wach. Direkt vom Hotelzimmer aus habe ich Blick auf ein mega Feuerwerk über der Burg Spielberg....das musste ich noch ergänzen obwohl ich jetzt hundemüde bin. Gute Nacht 💤 


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