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Tag 17 Naklo Chelmno 95km

Veröffentlicht am 15. Juni 2021 um 20:02

Tage wie diese … müssen sich halt auch mal entwickeln. Beim Frühstück durchfährt es mich wie ein Blitz. Die Kellnerin entschuldigt sich für das miese WLAN, was es auch ist. Meine Auszeit vom Job tut gut, da ich ziemlich lange als IT Leiter u.a auch für diese Art von Problemen verantwortlich war. Wie schön, dass ich jetzt nichts tun muss. Sollen sich andere kümmern. Aber trotzdem schlage ich noch drauf an. Jetzt nach seit bereits 7 Wochen Auszeit, komisch, scheint noch drin zu sein. Aber ich merke, wie der mentale Reset mal nach 30 Jahren im Job gut tut.

Die ersten 40 Kilometer krieg ich gar nicht richtig mit, irgendwie werde ich heute gar nicht wach. Aber ich verpasse auch nichts. So spannend ist es nicht, so dass ich erst mal ein Foto mit meinem Bike und einer riesigen Wurst im Hintergrund mache. 

In der ersten Stadt „Koronowo“ mache ich Halt und kaufe Salamischeiben, die ich mir in meine noch vorhandenes Brötchen schiebe. Zum Glück heißt die Stadt wahrscheinlich schon länger so. Sonst hätte man denken können, sie wäre nach einer Corona Virus Mutation benannt worden. Bin doch wohl schon wach, ob dieser genialen Wortspielerei. :-). 

Raus gehts auf einer total kaputten roten Straße, die ich gestern noch gemieden habe. Hier muss es sein. Nach Überquerung des „Kanali lateral“ ist’s vorbei mit Verkehr. Es bleibt doch eine Tour, die man nicht zweimal fahren möchte. Was ich per se ungerne tue. Im Gensatz zu Deutschland scheint es hier ein E Bike freie Zone zu sein. Ich bin kurz davor einem der hier entgegenkommenden Fahrradfahrer auf einem klapprigen und quietschenden Bike mein Kettenöl zu geben. Aber alle fahren hier so rum. 

Ich bin immer noch nicht wach, aber bemerke Arbeiter, die an einem Radweg hier entlang der Straße arbeiten. Sie schreien mit was zu. Weiß nicht, ob es heißt, dass ich in ein paar Monaten wiederkommen soll oder den nicht fertigen Radweg doch fahren soll. Ich bevorzuge die Straße gegenüber dem Radweg ohne Fahrbahndecke. Ein paar Kilometer weiter denke ich, dass es cool gewesen wäre, den Arbeitern für ihr gutes Werk ein paar Zloty für ne Kiste Bier zu geben. Leider bin ich schon zu weit weg, um diese mir zu spät eingefallene Idee in die Tat umzusetzen. Vielleicht ergibt sich ja noch eine Chance. 

Jetzt werde ich wach. Nach eine wilden Abfahrt ins Weichsel Tal werde ich per Schild aufgefordert irgendwo anders lang zu fahren. Vor mir ist eine riesige Baustelle. Grob kann ich dem Schild entnehmen, dass es weit werden würde. Ich entscheide mich für den Weg durch die Baustelle. Erst fahre ich noch durch Sand, aber dann muss ich schieben, der Weg ist weg und hier gestalten diverse Bagger die Landschaft zugunsten einer Abfahrt von der Schnellstraße um. Der Bauarbeiter auf der Planierraupe schaut mich an und gibt grünes Licht, insbesondere als ich erzähle, dass ich nach Danzig will. Ganz schön durchgewühlt hier, aber die riesigen Bagger und Kipper lassen mich in Ruhe bis ich wieder Asphalt unter mir habe. Mit dem Auto hätte man das nicht geschafft. So war es spannend. 

Die Weichsel - ein breiter Fluß. Wieder ein wenig am Damm und das heutige Ziel, Chelmno ist schon sichtbar auf einem Hügel. Also da muss ich hoch. Aber der letzte Anstieg lohnt, denn es ist die erste Stadt, wo man auch mal was sehen kann. Mit Innenstadt, Kirchen und einer Stadtmauer. Dafür muss man fast 400km in Polen fahren. Das Hotel ist niedlich und meine Befürchtungen aufgrund der Rezensionen im Netz haben sich nicht bestätigt. Da stand viel von Retro Charme. Retro ist es, aber nicht oll. 

Schön auch, dass man hier zum ersten Mal draußen sitzen kann und dazu noch in einer kleinen Craft Bier Brauerei. So zeigt die Empfehlungskurve stark nach oben heute. Aber leider muss ich das Deutschland Spiel heute Abend im Zimmer schauen. Ist vielleicht auch besser so? 

Ich werde verrückt, ich höre draußen, typische Fangesänge aus den Lautsprechern. Drinnen haben die echt den Fernseher angemacht. Ich bin glücklich. Kann ich das Morgen auch noch sagen?

 

 

 


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