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Tag 21 Danzig Kahlberg 65km

Veröffentlicht am 19. Juni 2021 um 22:28

Dann warte ich mal bis Danzig mich freigibt

Danzig hat eine Schokoladenseite, über die ich vorgestern einreisen durfte. Heute geht es durch Petrochemie raus. Aber den ganzen Weg bis Kahlberg (Krynica Morska) auf Fahhradwegen, die gut in Schuss sind. Mir fällt auf, dass eine ganze Karavane Fahrradjünger in meine Richtung unterwegs ist. Bepackt hauptsächlich mit Badesachen. Scheinbar geht es heute an den Stadtstrand von Danzig. Keine so schlechte Idee bei den Temperaturen jenseits der 30 Grad. Das „Frische Haff“ erwartet mich. Allein das läßt die Termperaturen erträglich erscheinen. Und wirklich, es wird immer besser auf der immer schmaler werdenden Landzunge, die mit der Grenze zu Russland ein jähes Ende nehmen muss. Aber so weit muss ich gar nicht. Ca. 10km vorher ist die letzte polnische Stadt mein Ziel. Es ist hier mächtig viel los, denn es ist Samstag und das Wetter lädt zum Baden ein. Hier ist wohl das polnische Mallorca oder Sylt. Überall Tourismus. Jetzt wird mir auch klar, dass ich Schwierigkeiten hatte, hier eine Unterkunft zu bekommen. Alles ausgebucht, bis auf eine letztes Zimmer zu einem horrenden Kurs. Ich habe mehrmals gezögert den letzten Buchungsschritt zu vollziehen. Aber die weitere Reiseplanung ließ wenig Spielraum. Denn dieses „Frische Haff“ wollte ich nicht auslassen.

Und das ist gut so. Nach einer Fährfahrt auf das Haff, werden die Autos aussortiert und es bleiben wenige Radler übrig. Obwohl die Landzunge grad mal 2km breit ist, fährt man trotzdem durch angenehm kühle Wälder und sieht das Meer nicht. Es richt wieder nach Sauna. Die Ostsee bekomme ich erst 10km vor dem Ziel zu Gesicht. Und das wirklich umbeschreibbar. Der Radweg geht direkt oberhalb des Strandes vorbei. Es ist so verlockend ein Bad zu nehmen. Ok, warum nicht, ich hab ja immer alles dabei auf dem Rad. Gesagt getan und ich finde mich kurze Zeit später in der Ostsee wieder. Der Strand menschenleer, da stört es nicht, dass ich in der Unterhose bade. Das Wasser ist echt kalt, ist halt nicht das Mittelmeer, aber das Beste was man hier und jetzt tun kann. Ich zeichne Pula in den Sand, als vorläufig nächstes Ziel. 

Das sündhaft teuere Hotel ist eine Enttäuschung. Ist zwar mit Abendessen, aber das ist von 17-19 Uhr. Das paßt ja nun gar nicht zur die EM Planung, da unser Team ab 18 Uhr spielt. Ich schau mir trotzdem um 17:30 den Essensraum am. Vielleicht ist ja eine gewisse Grundlage für nachher ganz gut. Tatsächliche ist die Kantine sehr gut gefüllt um diese Zeit. Hat was von Jungendherberge. Bei dem klasse Wetter in einem Speisesaal auf Ebene -2 eingesperrt zu sein ist echt nicht meins. Ich suche noch den für Jugendherbergen üblichen Hagebuttentee, finde aber nur weißen? Grapefruitsaft. Das Curry, welches eigentlich Geschnetzteltes ist, schmeckt gar nicht schlecht. Ich habe Eile und vor mir am Buffet wird jede Kartoffel einzeln aus dem mit Gas befeuerten Warmhaltebehältnis genommen. Polen spielt ja auch erst um 21 Uhr. Zum Kellergeruch gesellt sich auch der Duft von Gas. Ich muss hier raus. 

In der Piratenbar wird das Spiel gezeigt. Nicht viel los, so kriege ich einen Platz, oder auch mehrere. Als es gut läuft kann ich meinen Jubel nicht verkneifen. Ich werde recht böse angesehen. Scheinbar wohl nicht so beliebt wie die Portugiesen. Ich denke zurück an Westerplatte und es ist gut, dass Kahlberg nun Krynika Morska heißt. Obwohl mir ersteres auf der Tastatur einfacher von der Hand geht. Trotzdem soll dies nichts daran ändern, dass hier alle total gastfreundlich und offen sind. Beim Fußball gelten manchmal andere Regeln, die ich ja auch liebe. Hier ist mal einfach alles schwarz oder weiß. Es gibt keine Grautöne. Auch mal befreiend. Wir gewinnen unter wenig Beachtung. 

Ich gehe zum Leuchtturm und will eigentlich schon aufs Zimmer. Ich wähle einen anderen Rückweg und sehe von weiten den Strand in rötlich weißes Licht getaucht. Am Strand sitzend denke ich nur, dass die Ostsee auch mega schöne Sonnenuntergänge hat. Danke Polen. Beim Zähneputzen sage ich noch zu zwei Silberfischchen gute Nacht.

 

 

 

 


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