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Tag 25 Bydgoszcz Gniezno 87km

Veröffentlicht am 23. Juni 2021 um 19:57

Schilderkunde 1 : Warnung vor der Göre mit dem großen Lolli.


Schilderkunde 2 : Warnung vor dem höchst unwahrscheinlichen Ereignis, dass eine Dampflok vorbeikommt und ein Auto reinfahren könnte.


Jetzt beim Abendessen brauche ich mal wieder meine ÜbersetzungsApp DeepL Die Speisekarte sagt mir gar nichts. Zumindest werde ich so vor bösen Überraschungen bewahrt. Ich bestelle Spareribs zum Fußball gucken. Mal sehen, was ich zu Essen bekomme. Die Stimmung ist etwas gedrückt, da Polen schon der dritten Minute das 0:1 kassiert hat. Ich verhalte mich neutral. Waren es bei Küstrin an der Grenze zu Polen genau 1000 Kilometer auf dem Tacho, sind es heute im Ziel 2.001 Kilometer. Immer gut getimed. Als Belohnung übernachte ich heute in dem Appartment einer Brauerei. Alles total hip und modern. Ich vergebe 10 von 10 Punkten. Ich teste auch grad bereits das zweite Bier. Der Braumeister im Aufzug hat mir dazu geraten, möglichst viel zu probieren. Hier sind alle mega freundlich und völlig aus dem Häuschen, dass man 2.000km mit einem Rad fahren kann. Das gute Stück darf auch wohlbehütet im Flur stehen. Wer mal nach Gniezno kommt, dem gebe ich gerne die Adresse vom Dobry Browar.

Bei der Fahrt hierhin ist mir aufgefallen, wie laut Laut sein kann und wie leise Leise ist. Ein Wechselbad der Gefühle. Nach einer Strecke an einer wirklich vielbefahrenen Straße raus aus Bromberg am Flughafen vorbei, wechselt es von einem zum anderen Moment in totale Stille auf einem langen Waldweg. Die Wahrnehmung ist wohl krasser, wenn man direkt vorher genau das Gegenteil erfahren hat. Das Ganze passiert mir heute noch zweimal. Wechsel von LKW Highway ohne Seitenstreifen zu einsamen Schotterwegen. Echt krass.

Auf manchen abseits gelegenen Strecken denke ich, ob den Leuten vor den versprengten baufälligen Bauernhöfen klar ist, dass bei denen die Eurovelo 9 vorbei geht als Verbindung zwischen Danzig und Pula. Ich finde es selbst erstaunlich. Aber ich habe ja meine BikeMap App. Auf der ist zum Glück der Verlauf haargenau navigierbar. Schilder findet man hier vergebens.

Mein Fahrrad braucht dringend einen Boxenstopp, da nach den Sandwegen und dem Regen gestern die Ritzel und die Kette deutliche Knirschgeräusche von sich geben. Ich halte an einem Buswartehäuschen. Mit einem Schraubendreher kratze ich den Schmodder aus den Ritzeln. Ich frage mich, wie die Zahnräder im Umwerfer überhaupt noch funktionieren konnten. 

Die Einfahrt ist Gniewo geht durch Industrie und Plattenbauten. Wie so häufig in größeren Städten ist die Verkehrsführung für Radler echt suboptimal. Hohe Bordsteinkanten, fehlende Radspuren, häufige Seitenwechsel, Kreisverkehre ohne Regeln… Das ist herausfordernd, lässt aber die letzten Meter bis zum Appartment schnell verfliegen.

Und es sei gesagt, die Spareribs, die auch solche waren, waren klasse.

 


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