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Tag 27 Posen Gostyn 84km

Veröffentlicht am 25. Juni 2021 um 20:26

Juhu, ein Ziel ohne jegliches Highlight. Ich darf mal nichts tun und verpasse nichts. Ankommen, auspacken, mit einem Kaffee aufs Bett, Wikipedia über Gostyn befragen ohne interessantes Ergebnis, einnicken, duschen und dann doch noch mal hoch : Essen. 

Heute auf dem Rad habe ich mal versucht, alle vorherigen Etappen auf die Reihe zu kriegen. Ist schon erschreckend, dass ich nicht viel voreinander bekomme : der Start ist sehr präsent, dann die erste Campingnacht auf dem Platz in Hövelhof mit dem bislang miserabelsten Handyempfang, Wesercamping, Harz, Berlin, Danzig, Ostseebaden, Posen … Na gut, einige Dinge sind gespeichert. Schon interessant, wie das Gehirn arbeitet und was gespeichert wird (Handyempfang??) und was einfach weg ist. Ist auch wohl gut so, dass unser Brain selektieren kann und nicht jedes Ereignis im direkt abrufbaren Speicher hat. Darum muss man zu anderen Tricks greifen. Dies ist auch ein Grund, warum diese Zeilen überhaupt hier stehen. Ich hab mich selbst schon des Öfteren erwischt und in älteren Einträgen nachgeschaut, um wieder was aus den tiefen der Gehirnwindungen nach oben zu holen. Es ist sogar so schlimm, dass mir über Tag zig Sachen einfallen, die ich schreiben könnte. Und abends alles wie verflogen. Ich habe mir angewöhnt über Tag die Gedankenblitze schon mal während der Fahrt zu notieren. Das Hand ist ja am Lenker immer im Zugriff. Ich bin mit Tippen angefangen, was bei voller Fahrt echt anstrengend ist. Man trifft die Buchstaben kaum und die Aufmerksamkeit für die Strecke läßt gefährlich nach. Mittlerweile arbeite ich mit Spracheingabe direkt ins Handy, was sofort in einem Worddokument landet. Danke Microsoft. Wahrscheinlich hast Du mir schon mehrmals das Leben gerettet. Leider funktioniert das nur mit LTE Datenempfang. In Hövelhof wäre ich sicherlich aufgeschmissen gewesen, aber selbst hier in Polen gibt es Ecken, wo mal ein Mast guttun würde. Die Spracheingabe während der Fahrt mit den Nebengeräuschen ist so gut, dass ich abends wirklich manchmal nicht mehr erraten kann, was ich meinte. War dann wohl nicht so spannend. Deshalb vielleicht auch oftmals die wirren Zeilen hier.

Der aufmerksame Leser merkt, dass ich zu Themen ausweiche, die wenig mit Landschaft, Strecke, Wetter oder Fahrbahnbeschaffenheit zu tun haben. Es war einfach eine Fahrt von A nach B. 

Aber zwei Dinge waren doch noch.

Es scheint heute Ferienbeginn und Zeugnisübergabe bzw. Schulentlassung zu sein. So viele schick gekleidete Mädels und Jungs hab ich noch nicht gesehen. In Posen ging es morgens im Pub schon ordentlich zur Sache. Auf Sportplätzen werden Zeugnisse übergeben mit Gesang von der besten oder einfach so auserwählten Schülerin. Scheinbar kriegen hier die Lehrerinnen Blumen von den Schülern. Ist das mittlerweile heute bei uns auch schon so? Zu meiner Schulzeit kann ich mich nicht daran erinnern. Naja, tolle Geste, aber jetzt ist FREI!

Zweitens werde ich zum ersten Mal wild angehupt. Wäre man in Italien oder so, wäre das nicht erwähnenswert. Der polnische Autofahrer nutzt hingegen diese Einrichtung sehr selten. Der hupende Senior fährt extra langsam neben mir. Ich schaue ihn direkt an. Wir halten. Er kurbelt sein Fenster runter und erzählt mir aufgeragt was in polnisch. Ich sage nur auf Deutsch „ich verstehe nix“. Er redet weiter und ich denke nur, dass der Hilfssheriff wahrscheinlich Recht hat, da ich verbotener Weise eine Einbahnstraße in falscher Richtung gefahren bin. Nun ja, hier herrscht noch Recht und Ordnung. Und irgendwie fühle ich mich wie ein Verbrecher. 

Aber vielleicht wollte er mir auch nur eine gute Reise wünschen. Aber die ist es auch so.

 

 


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