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Tag 31 Bielawa Pisecna (CZ) 111km

Veröffentlicht am 29. Juni 2021 um 22:08

Am Morgen schreibe ich sofort das Hotel für nächste Nacht an, ob sie mir ein Mietauto besorgen können. Ich möchte ja gerne die verpasste Geschichtsstunde zum 2. Weltkrieg hier in den Bergen nachholen. Ich würde dann auch zwei Nächte bleiben. Ein einfaches OK und sonst nichts als Rückantwort nach 2 Stunden macht mich nicht besonders zuversichtlich. Aber erst mal die lange Etappe in den Bergen bestehen und abwarten.

Bevor es heute nach Tschechien geht, sind fast alle Kilometer noch in Polen zu erledigen. Genügend Zeit, sich nach fast 1.500 Kilometern von dem Land zu verabschieden und die letzten Barreserven aufzubrauchen. So viel an Zloty sind es nicht, so dass sinnlose Ausgaben ausbleiben. 

Schön läuft es und wer sagt, dass der Eurovelo9 in Polen noch nicht fertig sei, dem muss ich eines Besseren belehren. Der komplette Weg ist mit R9 ausgeschildert und ist meistens klasse. Nun kommt Tschechien. Bin mal gespannt, was mich dort erwartet.

Derweil warte ich auf den Anruf von Olaf Rüter. Er hatte sich angekündigt, um ein Folgeinterview für den lokalen Radiosender WMW aufzunehmen. Wir waren für 11 Uhr verabredet. Bis 13 Uhr kam kein Anruf, nur die WhatsApp, dass bei Olaf wohl gestern bei einem Starkregen in der Heimat der Keller vollgelaufen ist. Er scheint zuversichtlich zu sein, dass der Keller bis morgen leer sein wird. Wir verabreden uns  für morgen. 

Nun ist Tschechien erreicht. Die Grenze ist kaum sichtbar und niemand ist dort, der irgendwas überprüfen könnte. Irgendwie ändert sich aber alles. Ich fühle mich irgendwie wie in Österreich. Ein ganz toller Radweg entlang eines Flusslaufes in Mitten der Berge.

 
Da nun Polen hinter mir liegt, kann ich mit einer Geschichte endlich raus. Detlef Kaden schreibt ist seinen Reiseführer zum R1, der sehr zu empfehlen ist, dass man sich in Acht nehmen muss vor freilaufenden Hunden in der polnischen Provinz. Das ist ja was für mich, da ich ordentlichen Repsekt vor Hunden jeglicher Art habe. Er rät zu „schnell in die Pedalen treten“ und zur Not „das Fahrrad zwischen sich und dem Hund zu bringen“ oder zu technischen Hilfsmitteln. In der Vorbereitung auf die Reise wollte ich es nicht bei den beiden erst genannten Strategien belassen. Ich führe seit dem eine Tierabwehrwaffe immer griffbereit am Lenker. Die Hundeliebhaber mögen es mir verzeihen, aber es ist Pfefferspray. Ich hab mir sagen lassen, dass es in Russland auch Bären geben soll. Bein Anblick der Pfefferspray Dose muss ich ein wenig schmunzeln. Denn es ist wirklich so, dass jeder polnischen Haushalt mindestens einen lebenden Hund hat und noch eine Porzellanfigur eines Hundes dazu im Garten stehen hat. Jede Einfahrt in eine Dorf beginnt bei mir mit einem unguten Gefühl. Ich schaue genau auf offene Gartentüren oder sonstige Löcher im Zaun. Meistens fängt ein erster Hund an zu bellen. In der Folge bellt das ganze Dorf. Das war ungelogen in jedem Dorf so. Eine Symphonie aus Gebelle. Die meisten Hunde waren hinter einem Zaun, an einer Kette oder hat es dann doch nicht interessiert, dass ein harmloser Zeitgenosse auf dem Fahrrad vorbei kommt. Ich bin froh, dass ich es ohne Gebrauch der wahrscheinlich nicht tiergerechten Waffe geschafft habe, die 1500km durch Polen überlebt haben. Nur ein einziges Mal hat ein Hund die Jagd aufgenommen. Den habe ich böse angesehen. Das wars. Also toi toi toi für die restlichen Ländern, die in Detlef Kadens R1 Reiseführer nicht vorkommen. Und liebe Hunde : ich habe keine Angst, nur Repsekt.


Das Ziel ist heute eine Herberge am See. Wenn alles so kurz ab ist, wie die Antwort auf meine Anfrage wegen des Mietautos, na denn Prost. Ein imposantes Gebäude aus Holz erwartet mich, direkt am See. Sieht schon mal gut aus. An der Rezeption, die eigentlich die Bar ist, versuche ich es wie immer mit Englisch. Es kommt ein freundliches Yes. Aus dem Off wird geflüstert : Niemecko. Sofort wird die Sprache auf fließendes Deutsch gewechselt, was mir auch nicht unrecht ist. Es ist alles schon vorbereitet für den deutschen Radtouristen. Mein Fahrrad wird in einen Keller transportiert. Ich bekomme ein grandioses Zimmer mit Seeblick und mir wird mein Mietauto gezeigt. Gleich mit der Entschuldigung, es sei nur ein kleines. Was da steht ist ein Mazda Sportwagen. Der Blick in die Felgen auf die roten Halterungen für die Bremsscheiben versprechen ein paar PS. Kann ich haben, ist das alte Auto vom Sohn des Chefs. Dann kann es ja morgen richtig angemessen ins Eulengebirge gehen. Die Rad Weiterfahrt muss einen Tag warten. Hier ist es eh viel zu schön für nur eine Übernachtung, 


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