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Tag 50 Venedig Conegliano 74km

Veröffentlicht am 18. Juli 2021 um 21:53

Ich sitze im Zug nach Venedig. Und das ging völlig umproblematisch. Triest ist ein Kopfbahnhof und mein Zug war schon 20 Minuten vor Abfahrt am Gleis und einsteigebereit. So konnte ich entspannt alles verstauen und mir in Ruhe einen Platz aussuchen. Das Fahrrad kostet 3,50€ extra und wird so ohne weiteres mitgenommen. Ich hab auch schon mal in Italien vor einem Bahnschalter gestanden und die einfache Antwort war „no“ ohne weitere Erklärung wegen der Radmitnahme. Aber wir mussten unbedingt nach Hause. Der Bahnbeamte konnte nichts außer italienisch und war verschanzt hinter einer schußsicheren Scheibe mit einem kleinen Lautsprecher. Das ist bestimmt 15 Jahre her, aber irgendwie ging es damals auch über Umwege und mit viel Ärger. Das Erlebnis hatte ich heute noch im Kopf und ich bin extra früh aufgestanden und war schon um 7 Uhr am Bahnhof. Eine nette Bahnbeamte verkaufte mir ohne weiteres das Zusatzticket und erklärte mir in perfektem Englisch, dass alles kein Problem sei. So ändern sich die Zeiten.

Ich glaube der Ersatz für die Fähre nach Venedig mit der Zugvariante war eine sehr gute Entscheidung. Ich habe zwar einen Tag in Summe verloren, aber die Strecke an der Adriaküste über Slowenien war unvergesslich. Aber den Weg von Triest nach Venedig tue ich mir - auch aus Mangel an Zeit - nicht an. Denn dort ist nur landwirtschaftliches Flachland für 160km. Da fahre ich lieber noch ein paar Tage durch die wunderschöne Landchaft der Alpen. 

In letzter Sekunde vor Abfahrt rauschen noch weitere Radtouristen in den Zug. Das Radabteil ist mittlerweile gut gefüllt. Die beiden letzen zugestiegenen jungen Leute nehmen bei mir Platz. Sie haben es so gerade noch geschafft. Ich verfolge die Unterhaltung in perfektem Englisch und ich wundere mich über die französischen Reisepässe, die die beiden offen auf dem Sitz liegen haben. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er amerikanische und sie britische Eltern hat, aber in Chamonix wohnen. Während der studienfreien Zeit sind die beiden in den französischen Alpen losgefahren, so weit sie in 14 Tagen kommen. Bis Lubiljana haben sie es geschafft und sind nun auf der Rückreise nach Chamonix.

Ich schau mir die Reiseroute des Regionalzuges an, der in jeder Kleinstadt hält. So auch in Quarto d'Altino, ein Ort vor dem geplanten Ausstieg in Venedig Mestre. Hier steige ich dann verfrüht alleine aus und alles ist total entspannt. Ich spare mir den überfüllten Bahnhof mit vielen Treppen in Mestre und die Fahrt raus aus den Stadtverkehr.  

Am Austeigsbahnhof startet gleich die wunderschöne Radroute entlang des Flusses Sile. Es ist nun Zeit für die letzte große Etappe der Reise : Der Radweg Venedig - München. Heute geht es flach bis an die Alpen heran. Die mächtigen Berge sind in der Ferne schon gut zu sehen. Das Mahnmal der zu erwartenden Steigungen. Aber heute interessiert es wenig. Die Strecke ist auch perfekt für Familien geeignet. Es geht über Treviso, wo ich nur durchfahre (was bestimmt ein Fehler war, denn einen Aufenthalt wäre hier auf jeden Fall gerechtfertigt, es gibt sogar Bogengänge wie am Prinzipalmarkt in Münster). Aber der Radweg bis hier ist 1a. Ich nehme auch gerne meine Kritik an den Wegen in Italien gestern zurück. Alles ausgeschildert und völlig verkehrsfrei. Wenn das so bis München weitergeht, wäre es ein Traum.

Ich stoppe heute genau in dem Ort, ab dem die Steigungen hoch in die Alpen anfangen. Hier fährt man noch lediglich durch Weinberge und seichte Steigungen. Und das ist auch gut als Vorbereitung für morgen. 

 

 

 

 


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